Geschichte

Schottland wurde erstmals zum Ende der Eiszeit (im Paläolithikum), etwa vor 10.000 Jahren, nachhaltig besiedelt.  Erste Aufzeichnungen stammen aus der Zeit der Ankunft der Römer, als diese nach der Eroberung im Jahre 43. n. Ch. durch Kaiser Claudius die römische Provinz Britannia im südlichen Teil von Großbritannien errichteten, die im Norden bis zum Hadrian’s Wall reichte. Davon nördlich lag der von den Römern nicht beherrschte Bereich Caledonia, deren Einwohner die Pikten (lateinisch picti, die Bemalten) waren. Die römische Fremdherrschaft der britischen Inseln dauerte bis zum Abzug der Römer im Jahre 400 n. Ch.


Kelten

Im Jahre 503 n. Ch. landeten die Skoten (Kelten aus Irland) an der Westküste Schottlands. 843 n. Ch. vereinte Kenneth MacAlpin die Skoten und Pikten als eine Nation. Diese keltische Monarchie dauerte bis 1057, als MacBeth von Malcolm III. getötet wurde. Unter Malcolms Herrschaft verstärkte sich der englische Einfluss. 1296 annektierte der englische König Eduard I., wegen seiner Größe auch “Longshanks -  der Langbeinige” genannt, Schottland.


William Wallace/Robert, The Bruce – Unabhängigkeitskriege

William Wallace, dritter Sohn des verarmten Ritters Malcolm Wallace und Margarete de Crauford, der Tochter des Sheriffs von Ayr war Schottlands erste heroische Figur auf dem Weg zur schottischen Unabhängigkeit von England. Wallace begann am Ende des 13. Jahrhundert mit anderen, wie zum Beispiel dem Fürsten Andrew Moray, englische Einheiten zu überfallen. Hinzu kam, dass ein englischer Statthalter, so wird angenommen, Wallaces Frau umgebracht hatte, weil diese ihm zur Flucht vor englischen Soldaten verholfen hatte. Damit trat zu seinem Patriotismus noch ein starkes persönliches Motiv. Es war der Anfang einer offenen Rebellion gegen die fremden Machthaber.

Nach mehreren Überfällen und Scharmützeln gelang Wallace 1297 zusammen mit Moray in der Schlacht von Stirling Bridge sogar ein spektakulärer militärischer Erfolg. Dort an der Brücke über den Forth vernichtete er die mit etwa 10.000 Rittern vierfach überlegene und gefürchtete Streitmacht Edwards I..

Der nichtadlige Wallace wurde von den Schotten geehrt und zum „Guardian of Scotland” ernannt. Später jedoch fehlte es ihm an weiterer Unterstützung durch den meist normannischen Adel. Zu oft hatten diese Adligen auch in England Besitztümer und wollten diese nicht durch Parteinahme für Wallace gefährden. So wurden die aufständischen Schotten 1298 – nur ein Jahr nach Stirling Bridge – in der Schlacht von Falkirk von Edward geschlagen.

Wegen dieser und anderer schwerer Niederlagen, die dieser König den Schotten beibrachte, ist Edward I. unter dem Beinamen „Hammer of the Scots – Der Hammer der Schotten” in die Landesgeschichte eingegangen. Nach der Niederlage bei Falkirk konnte William Wallace zwar fliehen, doch sieben Jahre später wurde er von einem Landsmann verraten, gefangen genommen und nach einem öffentlichen Verfahren am 23. August 1305 in London auf grausamste Weise hingerichtet. William Wallace wurde im Bewusstsein der Schotten zum Märtyrer und unter seinem Ehrennamen Braveheart zum ersten schottischen Nationalhelden. Sein Rebellenleben wurde 1995 von Mel Gibson preisgekrönt verfilmt.

1314 schlugen die Schotten unter Robert I., Robert the Bruce, die Engländer, angeführt von Eduard II., in der Schlacht von Bannockburn erneut. Diese vernichtende Niederlage der Engländer, die fast zur Gefangennahme des englischen Königs geführt hätte, ermöglichte es den Schotten erstmals wieder ernsthafte Anstrengungen zur Unabhängigkeit von England zu unternehmen. 1320 wurde die Erklärung von Arbroath aufgesetzt. Sie sollte den Papst dazu bringen, die schottische Unabhängigkeit von England anzuerkennen. Papst Johannes XXII. in Avignon akzeptierte die Erklärung.

Zwar hielt der Krieg zwischen England und Schottland noch an, doch wurde 1328 – 14 Jahre nach Bannockburn – die Unabhängigkeit Schottlands durch den englischen König Edward III., dem Enkel von Edward I., im so genannten Abkommen von Edinburgh und Northampton anerkannt. Robert the Bruce starb 1329. Sein Sohn David wurde, erst fünf Jahre alt, als David II. zum König Schottlands ausgerufen.

1346 unterlag David II. den Engländer in der Schlacht von Neville’s Cross und wurde gefangen genommen und nach England gebracht.

Robert Stewart – durch seine Mutter Marjorie Bruce ein Enkel von Robert I. – war der Neffe von David II. Sein Vater hatte das Amt seiner Vorväter – Lord High Steward of Scotland – in seinen Namen übernommen (der Lord High Steward ist auch heute noch einer der höchsten Repräsentanten der Krone). Für die Zeit, während David in England gefangen gehalten wurde, übernahm Robert die Regierungsgeschäfte in seinem Namen. Durch die Zahlung eines astronomisch hohen Lösegelds an England ermöglichte er ihm die Rückkehr auf den Thron. Ganz Schottland litt danach unter einer enormen Steuerlast. Als David II. 1371 kinderlos starb, hinterließ er seinem Nachfolger Robert II. ein von Abgaben, Hungersnöten und Pestepidemien geschwächtes Schottland.

Mit Robert II. betrat 1371 zum ersten Mal ein Mitglied des Hauses Stewart die königliche Bühne. Er begann die Königsdynastie, die über 350 Jahre lang auf dem schottischen und später auch auf dem englischen Thron saß. Die Stewarts steuerten das Land im Mittelalter durch schwierigstes Fahrwasser. Fast alle von ihnen kamen schon als Kind oder gar als Säugling auf den Thron, doch nur wenige starben eines natürlichen Todes.

Es folgten fast 200 Jahre Bürgerkrieg mit Revolten und Gegenrevolten. Nur die in England in der Mitte bis Ende des 15. Jahrhunderts herrschenden Rosenkriege, die in dieser Zeit in England als Thronfolgekriege zwischen den Fürstenhäusern York und Lancaster tobten, führten zeitweise in Schottland zu einer gewissen innenpolitischen Entspannung und gewährte der Wirtschaft eine kleine Atempause zum Aufschwung. In dieser Zeit wurde die zweite Universität in Glasgow gegründet. Damit gab es in Schottland genauso viele höhere Bildungsanstalten wie in England mit Oxford und Cambridge.

Mit Beginn der Reformation am Anfang des 16. Jahrhunderts gab es neben dem politischen auch noch ein kirchliches Element in den internationalen Beziehungen. Große Teile des heutigen Deutschland und Skandinaviens hatten sich bis Mitte der 1530er Jahre von der römisch-katholischen Kirche losgesagt. Weil der Papst die Scheidung von seiner Frau Katharina von Aragón nicht akzeptierte, löste sich 1534 dann auch der englische König Henry VIII. von Rom.

So zielten verständliche Überlegungen in Rom auf die Frage ab, ob und wie Schottland noch unter den päpstlichen Einfluss gebracht werden konnte. Damit würde das Land im Norden Britanniens ein wichtiger Stützpunkt für die Gegenreformation unter der Führung Spaniens oder Frankreichs sein, denn von dort aus konnte England vielleicht für Rom zurückerobert werden. Andererseits war England bestrebt, gemeinsam mit Schottland ein protestantisches Großbritannien als Gegengewicht zu den römisch-katholischen Mächten des Kontinents zu bilden.

Henry VIII. bot deshalb dem jungen schottischen König James V. seine erste Tochter Mary (später auch als „Bloody Mary” bekannt) zur Frau an. Das hätte – wenn James angenommen hätte – den Verlauf der Geschichte zwischen England und Schottland wohl einschneidend verändert, doch er lehnte ab. James wies darüber hinaus die weiteren englischen Vorschläge zurück und entschloss sich stattdessen, Schottland in das französisch-päpstliche Lager zu bringen.

Am 24. November 1542 kam es im Südwesten des Landes zur Schlacht auf Solway Moss gegen seinen englischen Onkel Henry VIII., bei der die schottischen Streitmächte vernichtend geschlagen wurden. Nur wenige Tage nach der Schlacht starb James V., und sein einziges legitimes Kind, die gerade mal sechs Tage alte Mary, wurde seine Nachfolgerin.


Mary, Queen of Scots

Bereits kurz nach ihrer Geburt wurde die kleine Mary Stuart von ihrem Regenten Arran dem jungen englischen Prinzen Edward versprochen. Das Versprechen wurde vom schottischen Parlament für ungültig erklärt, was zu einem neuen Krieg mit England und 1547 zur katastrophalen Niederlage der schottischen Armee bei Pinkie in der Nähe von Edinburgh führte.

Währenddessen wurde das Kind versteckt und am 7. August 1548 schließlich ins verbündete Frankreich in Sicherheit gebracht. Der darüber geschlossene Vertrag sah vor, dass sie den ältesten Sohn des französischen Königs Henri II. und seiner Frau Katharina von Medici heiraten sollte.

Am 24. April 1558 heiratete die gebildete junge Frau wie vereinbart den französischen Kronprinzen François und bereits 1559 wurde Francois nach dem Tod seines Vaters zum König Franz II. ausgerufen. Da Marys Mann jedoch selbst bereits nach einem Jahr an einer Krankheit starb, war Mary fortan in Frankreich unerwünscht, stellte sie doch als Witwe des verstorbenen Königs und als Titularkönigin von Schottland eine gewisse Bedrohung für den französischen Thron dar.

Am 14. August 1561 kehrte Mary daher nach Schottland zurück. Vorerst ließ Mary die Regierungsgeschäfte einfach weiterlaufen. Sie bestand jedoch darauf, ihre eigene, katholische Religion weiter auszuüben.

Mary wurden die Könige von Schweden, Dänemark und Frankreich, der Erzherzog Karl von Österreich, Don Carlos von Spanien, die Herzöge von Ferrara, Namur und Anjou, der Earl of Arran und der Earl of Leicester als potentielle Ehemänner vorgeschlagen. Schließlich aber verliebte sie sich 1565 sehr plötzlich in ihren Cousin Henry Stewart, Lord Darnley, den Sohn des Grafen Lennox. Die beiden wurden am 19. Juli 1565 in Holyrood Palace getraut. Da Darnley jedoch über Mary an den schottischen Thron gelangen wollte und ihm dies durch Mary selbst jedoch verwehrt wurde, erwies sich die Ehe als wenig glücklich.

In der Nacht zum 10. Februar 1567 flog das Haus, in dem Darnley aufgrund einer Pocken-Erkrankung untergebracht war, durch eine Schießpulverexplosion in die Luft.

Der Hauptdrahtzieher dieses Ränkespiels war sehr wahrscheinlich der Mary sehr ergebene James Hepburn, Graf Bothwell. Er wurde zwar des Mordes angeklagt, jedoch wieder freigesprochen. Gerade einmal zwölf Tage später fing derselbe Bothwell die Königin auf ihrem Weg von Stirling nach Edinburgh ab und entführte sie auf seine Burg nach Dunbar.

Am 3. Mai, also nur wenige Tages später, ließ sich Bothwell von seiner Frau scheiden. Am 12. Mai vergab Mary ihrem Entführer öffentlich, indem sie ihn zum Herzog von Orkney erhob. Wiederum drei Tage später, und gerade einmal drei Monate nach der Ermordung von Darnley heirateten die Beiden.

Wegen dieser Heirat forderten ihre zuvor treu ergebenen Adligen ihre Abdankung. Als sich auch ihr eigenes Heer gegen sie wandte, musste sich Mary am 15. Juni 1567 ergeben. Sie wurde von ihren eigenen Fürsten auf einer Insel im Loch Leven gefangen gesetzt. Am 24. Juli unterzeichnete sie ihre Abdankung zugunsten ihres Sohnes, der fortan als König James VI. regierte.

Noch bis 1573 bekämpften sich in Schottland die ihr noch immer ergebenen Fürsten und diejenigen, die auf der Seite ihres Sohnes standen.

Am 2. Mai 1568 gelang es Mary, von Loch Leven zu entkommen. Trotz einer Armee von 6000 Getreuen, wurde sie jedoch am 13. Mai bei Langside, in der Nähe von Glasgow, vernichtend geschlagen. Maria flüchtete nach Carlisle, wo sie ihre Cousine, Königin Elisabeth von England, um Unterstützung bitten wollte.

Elizabeth fühlte sich jedoch von Mary bedroht. Als Tochter Heinrichs VIII. war sie protestantisch und wurde von vielen englischen Katholiken nicht unterstützt – diese betrachteten Maria Stuart, die katholische Urenkelin Heinrichs VII., als legitime Thronfolgerin.

Daher ließ Elizabeth sie für die nächsten 19 Jahre von getreuen Vasallen in den englischen Burgen in Carlisle, Bolton, Chatsworth, Sheffield, Buxton, Chartley und schließlich Fotheringhay einsperren. Die angespannte Lage führte zu mehreren Verschwörungen; schließlich wurde die so genannte Babington-Verschwörung, die unter anderem die Ermordung von Elisabeth und die Befreiung Marias plante, aufgedeckt und Maria wurde der Mitwisserschaft beschuldigt. Ihr wurde im September 1586 in England wegen Hochverrat der Prozess gemacht und das erwartete Todesurteil wurde am 25. Oktober ausgesprochen. Am 1. Februar 1587 unterzeichnete Elisabeth die Hinrichtungsurkunde und eine Woche später wurde die ehemalige schottische Königin geköpft.


Personalunion

Jakob bzw. im englischen James genannt, der gegen die Hinrichtung seiner Mutter lediglich der Form halber protestiert hatte, hielt sich auch in Sachen Religion in Schottland diplomatisch zurück. Um auch weiterhin seine Thronansprüche als Verwandter der kinderlosen Elisabeth von England nicht zu gefährden, stimmte er 1586 sogar dem Vertrag von Berwick zu. Dieser Vertrag war ein Schutzbündnis gegen Frankreich, den jahrhundertealten Partner Schottlands.

Mit dem Tod von Elisabeth 1603 bestieg James VI. als direkter Verwandter und Nachkomme von Heinrich VII. den englischen Thron und wurde damit König James I. von England. Beide Länder wurden fortan in einer Personalunion von einem Monarchen regiert, behielten jedoch eigene Parlamente, ein separates Verwaltungs- und Rechtswesen sowie eine eigene Nationalkirche. Er war somit ein König mit zwei separaten Königreichen.

Nach dem Regierungsantritt James’ zentrierte sich das politische Leben fortan um das englische London. Der König zog mit seinem gesamten Hofstaat von Edinburgh dorthin und kehrte nur noch ein einziges Mal (1617) nach Schottland zurück. Der pompöse englische Hof war für ihn attraktiver als der bescheidenere Hof Schottlands. James versuchte zwar, neu zu vergebende Ämter gleichmäßig mit Engländern und Schotten zu besetzen und eine weitgehendere Union der beiden Staaten voranzubringen. Verständlicherweise trafen diese Versuche jedoch bei der politischen Elite Englands auf wenig Gegenliebe und blieben in den Anfangsstadien stehen.

Es folgten wieder Jahrzehnte an Unruhen und Bürgerkriegen in Schottland und England, in denen es jedoch vorwiegend um den Glauben als um Schottlands Unabhängikeit ging.


Glorreiche Revolution

In der Glorious Revolution von 1688 beschloss das englische Parlament in London, den damaligen katholischen König Jakob (James) II./VII. abzusetzen und der protestantischen Tochter von Jakob – Maria – und deren protestantischen Ehemann Wilhelm von Oranien, Statthalter der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, den Thron anzutragen. Sowohl die parlamentsnahen Whigs als auch die Mehrheit der ansonsten königstreuen Tories befürworteten die Einladung. Nach diesem (bis dahin) unblutigen Umsturz floh Jakob II./VII. ins französische Exil. Das schottische Parlament in Edinburgh erkannte Wilhelm ebenfalls als König an, es gelang ihm in der Folge, wie dem englischen Parlament, seine Rechte zu mehren. So musste es fortan regelmäßig einberufen werden und führte den Presbyterianismus als Staatskirche ein.

In den schottischen Highlands hingegen war die Unterstützung des rechtmäßigen Stuart-Königs noch sehr groß. Wilhelm ließ die zögernden Clanchefs des Hochlands unter Druck einen Treueeid auf die Fahne schwören, was von den meisten nur äußerst widerstrebend befolgt wurde. Die Jakobiten waren Stuart-Anhänger, die sich in England, Irland und vor allem in Schottland nach diesem, ihrem ehemaligen König Jakob benannten.

Sie hielten in der Folge besonders im schottischen Hochland und im Nordosten um Aberdeen an der Stuart-Dynastie fest. In uralter Tradition fühlten sich dort die Clanchefs und Feudalherren trotz religiöser Differenzen durch ihren Treueeid dem König verbunden. Jetzt trat die bisher ungekannte Situation ein, dass der neue, protestantische König Wilhelm von ihnen eben diesen Treueid forderte, während der ins Exil geflohene Jakob noch lebte.

Als dann aber der Chef der MacDonalds von Glencoe um fünf Tage verspätet zu der Eidesleistung eintraf, sah Wilhelm die Möglichkeit, ein Exempel zu statuieren. Er ließ 1692 durch seinen schottischen Vertreter im Tal Glencoe ein Massaker unter den Angehörigen des MacDonald-Clans anrichten. Selbstverständlich trat im Hochland genau das Gegenteil von dem ein, was Wilhelm beabsichtigt hatte – dort waren nach diesem Pogrom die Sympathien für London endgültig auf dem Tiefpunkt angelangt. Dieses Ereignis blieb tief im schottischen Nationalbewusstsein haften und führte zu den immer wieder aufflammenden Jakobiten-Aufständen, deren Rückhalt insbesondere im Norden und Osten von Schottland breite Unterstützung fand.


Bonnie Prince Charlie

Mit dem Act of Union 1707 wurde Schottland formal mit England zum Königreich Großbritannien vereinigt. Schottland löste sein Parlament auf und schickte Abgeordnete ins Parlament von Westminster. 1746 wurde in der Schlacht bei Culloden in der Nähe von Inverness der von „Bonnie Prince Charlie – Hübsche Prinz Karl“ (eigentlich Prinz Charles Edward Stewart, genannt „The Young Pretender – Der Junge Anwärter “) angeführte letzte schottische Jakobiten-Aufstand blutig niedergeschlagen.

Die am Aufstand beteiligten Clanchiefs und oft auch die Clanmitglieder mussten ins Ausland fliehen oder wurden nach Schauprozessen hingerichtet. Im Disarming Act von 1747 wurde den Hochländern das Tragen von Waffen und ihrer traditionellen Hochlandkleidung verboten. Ein Großteil des alten gälischen Kulturgutes versiegte für immer. Die Wirtschafts- und Sozialstruktur im Hochland wurde drastisch geändert. Was blieb, war aber die romantische Erinnerung an den letzten Stuart – Bonnie Prince Charlie.


Schottische Aufklärung

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Schottland noch eines der ärmsten Länder in Europa. Die Landwirtschaft war primitiv und Industrie existierte praktisch nicht. Die einzigen Exportprodukte waren Tierhäute, Holz, Kohle, Salz und gelegentlich noch Wolle oder Leinen. Doch nur ein Jahrhundert später war Schottland schon auf dem besten Weg, eine der blühendsten Wirtschaften der damaligen Zeit zu entwickeln. Zunächst begann aber gleichzeitig mit der Vertreibung der Hochländer (engl. Highland Clearances) auch die Zeit der schottischen Aufklärung. Sie brachte buchstäblich eine Explosion des Geistes hervor. Es scheint, als wenn die Energien jahrhundertelangen Kämpfens plötzlich umgeleitet worden waren und statt Freiheitshelden jetzt Persönlichkeiten auf den Gebieten der Kunst und Literatur, der Wissenschaft, Technik und der Architektur hervorbringen konnten.

Die Wurzeln dafür lagen in der Zeit, als die wirtschaftliche Entwicklung nach der Union von 1707 und das Ende der Jakobitenaufstände eine grundlegende Änderung der Bodennutzung brachte. Die Erkenntnisse und Erfahrungen der Land- und Bodenbesitzer, die auf europäischen Reisen, der so genannten Grand Tour gewonnen wurden, trugen entschieden dazu bei. Nach Schottland zurückgekehrt, setzten sie diese Kenntnisse in die Tat um, verbesserten sie zum Teil und passten sie den Bedingungen des Landes an.

Der Schotte, der den weltweit tiefsten Entwicklungseindruck hinterließ, war der Wirtschaftsphilosoph Adam Smith (1723–90). In seinem Buch Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations legte er mit seiner Theorie, wie in einer wissenschaftlich fundierten Tatsache, fest, dass die Menschheit einen natürlichen Hang zur Selbstverbesserung hat. Erlaube man ihr, ihren natürlichen Bedürfnissen zu folgen, würde sie auch ungewollt eine bessere Welt schaffen: reicher, freier und mit einer besseren Ausbildung; einzige Bedingung ist, Regierungen dürften sich nicht in den Weg der sich entwickelnden Märkte stellen. Mit dieser These schuf er den Begriff der freien Marktwirtschaft.

Einige andere der herausragenden Persönlichkeiten dieser Zeit waren, Schriftsteller und Poeten wie Robert Burns (1759–96) und Sir Walter Scott (1771–1832), Maler wie Allan Ramsay (1713–84) und Sir Henry Raeburn (1756–1823) und Techniker wie James Watt (1736–1819).

Dank dieser großen Köpfe gelang es Schottland, den Anschluss an die gleichzeitig auf dem Kontinent stattfindende Aufklärung zu finden. Während 1796 in Frankreich der kometenhafte Aufstieg Napoleons begann, setzte sich in Schottland der Trend des „Enlightenments” bis ins 19. und 20. Jahrhundert fort. Viele große Persönlichkeiten vollbrachten eine beachtliche Reihe von Ersttaten, Entdeckungen und Leistungen auf den verschiedensten Gebieten. Unter ihnen waren James Clerk Maxwell (1831–79 – Naturphilosoph, Elektrizität und Magnetismus), Sir James „Young” Simpson (1811–70 – Anästhesie), Joseph Lister (1827–1912 – Antisepsis), die Schriftsteller Robert Louis Stevenson (1850–94 – Die Schatzinsel und Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde) und Sir Arthur Conan Doyle (1859–1930 – Sherlock Holmes), der Entdecker und Afrikaforscher David Livingstone (1813–73) und der Arzt Sir Alexander Fleming (1881–1955 – Entdecker des Penicillin) sowie John Logie Baird (1888–1946 – Erfinder des Farbfernsehens).


Industrialisierung

Die Wende zum 19. Jahrhundert war gleichzeitig eine Wende vom Agrar- zum Industriestaat. Großbritannien wurde zum Modellfall der Industriellen Revolution. Diese Entwicklung erreichte Schottland und speziell die Lowlands in den 1820er Jahren. Hand in Hand damit ging ein rapides Bevölkerungswachstum. Eine Auswirkung der Clearances (Räumungen) des Hochlands war, dass Zehntausende von Hochländern in die Städte des Zentralgürtels strömten. Sie bildeten die in den neu entstandenen Industriezentren beschäftigte Fabrikarbeiterschaft.

Die dann einsetzende Zentralisierung der Industrie und die Erschließung von ertragreichen Kohleflözen im südwestlichen Schottland waren die Faktoren, die zum phänomenalen Aufstieg von Glasgow führten. Um 1850 war Glasgow die Arbeiterstadt schlechthin, zuerst aufgrund ihrer Werften, und mit Aufkommen der Eisenbahn als einer Hochburg des Lokomotivenbaus. Glasgow wurde nach London zur zweiten Stadt des britischen Empire. Mit der Industrialisierung und der sich immer weiter aufblähenden viktorianischen Armee steigerte sich aber in Großbritannien zunächst der Woll- und der Nahrungsbedarf. Das Schaf konnte das alles liefern, und Land gab es im Hochland genug. Schafe machten die neuen Landbesitzer reich.

Das Jahr 1875 wurde zum Jahr der Wende, auch wenn der Impuls von England ausging: Erstmals wurde damals den Gewerkschaften das Existenz- und Streikrecht gesetzlich garantiert.

Das viktorianische Zeitalter war Großbritanniens große Epoche. Es zeichnete sich durch industriellen Wohlstand und durch Expansion aus. Als Reaktion auf die Industrialisierung rückte jedoch besonders in England mehr und mehr die Sehnsucht nach Natur und Landschaft in den Blickpunkt; Königin Viktoria war es vor allem, die Schottland in diesem Zusammenhang für sich entdeckte und als urwüchsiges Reiseland populär machte.

Während Glasgow mit der Industrialisierung wuchs, entwickelte sich Edinburgh zum Kulturzentrum Schottlands. Mediziner, Philosophen, Wissenschaftler, Ingenieure, und Entdeckungsreisende machten die Stadt durch ihre Errungenschaften bekannt.


20. Jahrhundert

Die Industrielle Revolution hatte vor allem im Westen Schottlands eine riesige Arbeiterklasse geschaffen. Die Mehrheit war entsprechend politisch linksorientiert. Der Friedensschluss nach dem Ersten Weltkrieg brachte für Schottland sehr bald eine massive wirtschaftliche Depression, denn das Land hing von der Schwerindustrie ab und der internationale Wettbewerb wirkte sich aus.

Glasgow wurde politisch „rot”. 1929 kam es zu Generalstreiks; zeitweise lag sogar Revolution in der Luft und es drohte militärischer Einsatz. Auf dem Höhepunkt der Depression 1931 waren dann 65 % der Werftarbeiter in Glasgow am Clyde arbeitslos. Weil sich die wirtschaftliche Situation in Schottland immer weiter verschlechterte, wurde mit einigem Recht angenommen, dass London die Lage durch Vernachlässigung schottischer Belange verschlimmerte. Der Ruf nach home rule, einer eigenständigen Regierung, wurde in Schottland immer lauter. Die britische Regierung setzte daraufhin 1928 einen Staatssekretär für Schottland mit dem Rang eines Kabinettmitgliedes ein. Im Zuge dieses ersten Schrittes in Richtung devolution, der verwaltungsmäßigen Loslösung von London, wurde ihm die Leitung der Bereiche Gesundheit, Landwirtschaft und Erziehung in Schottland übertragen. Dieser Minister hatte seinen Sitz im St. Andrew’s House in Edinburgh.

Doch all das genügte nicht, um in Schottland den Wunsch nach Eigenständigkeit zu unterdrücken. Ein markanter Ausdruck dessen war 1950 die dramatische Entführung des Stone of Destiny vom Krönungsstuhl in Westminster Abbey nach Schottland. Bei den Unterhauswahlen von 1974 gelang dann der 1934 entstandenen Scottish National Party der Durchbruch, nach Stimmen wurde sie zweitstärkste Partei. Unter Druck der SNP stimmte die britische Labour-Regierung einer Volksabstimmung über begrenzte Selbstbestimmung zu. Das Gesetz zur Volksabstimmung wurde allerdings von Anti-Home-Rule Konservativen torpediert, mit Hilfe der Konservativen Opposition brachten sie eine Klausel in die Gesetzgebung ein, demzufolge eine einfache Mehrheit nicht mehr genügen sollte, sondern 40 % der Wahlberechtigten mindestens zustimmen mussten. Eine einfache Mehrheit wurde zwar erreicht, aber die 40-%-Hürde konnte nicht genommen werden.

Im September 1997 stimmten in einer zweiten Volksabstimmung 80 % der Wahlberechtigten für den Autonomiestatus Schottlands (engl. devolution), aufgrund dessen am 6. Mai 1999 nach 300 Jahren wieder ein Parlament für Schottland gewählt wurde. Seine Gesetzgebungskompetenzen erstrecken sich auf die Gebiete Gesundheitswesen, Bildung, Kommunalrecht, Soziales, Wohnungswesen, Wirtschaftsentwicklung, Justiz, Umwelt, Landwirtschaft, Fischerei und Forstwirtschaft, Sport, Kunst und Kultur und verschiedene Bereiche des Transportwesens. Einige Teilbereiche dieser Kompetenztitel sind allerdings dem britischen Zentralparlament vorbehalten. Das Parlament wählt einen Ersten Minister (First Minister) als Leiter der schottischen Exekutive, die das bisherige Scottish Office ersetzt und dem Parlament verantwortlich ist. Gegenwärtiger Amtsinhaber ist Alex Salmond von der Scottish National Party, deren erstes politisches Anliegen die vollständige Unabhängigkeit von Großbritannien ist und nur noch die Königin bzw. den König als repräsentatives Staatsoberhaupt nach dem Vorbild von Kanada oder auch Australien anerkennen will. Es sollte erwähnt werden, das die SNP keinen ethnisch fundierten Nationalismus vertritt, sondern ein kommunitaristisches Konzept des inclusive nationalism, das auf positive Identifikation mit Schottland, seiner Kultur und demokratischen Werten bei gleichzeitiger Offenheit für alle, die in Schottland leben und arbeiten möchten, setzt.


21. Jahrhundert

Inzwischen wurden neue Unabhängigkeitsbestrebungen aktuell, die allerdinsg zur Zeit (noch) nicht von der breiten Bevölkerungsmehrheit getragen werden. Ein Referendum zur Unabhängigkeit Schottlands ist trotzdem von der schottischen Regionalregierung für 2014, genau 700 Jahre nach dem schottischen Erfolg in der Schlacht von Bannockburn angedacht, gegen das sich die britische Regierung unter David Cameron noch beharrlich sträubt und versucht ein Referendum zu “britischen” Bedingungen deutlich früher abhalten zu lassen.